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Was Sie bei Rettungsinseln beachten sollten:

Sicher, Sie sind gewissenhaft, planen Ihre Törns akribisch, sind nicht leichtsinnig, wissen was gute Seemannschaft ist!
*** Dennoch kann es jeden treffen! ***

Ihre Rettungsinsel werden Sie dann benötigen, wenn "Nichts mehr geht".
Sie und Ihre Crew sind am Ende Ihrer Kräfte, geschafft, besorgt, vielleicht sogar panisch.

Wo sollte die Insel gestaut sein?

Unter Deck?
Beispiel Wassereinbruch: Kann ein plötzlicher Wassereinbruch durch lenzen und abdichten (haben Sie Leckstopfen an Bord?) kontrolliert werden, wird man wahrscheinlich einen Hafen anlaufen oder mit rechtzeitiger Fremdhilfe rechnen können. Die Insel wird nicht benutzt werden und dient lediglich der Beruhigung.

Bei einem großen Leck steht das Schiff in sekundenschnelle unter Wasser, eine unter Deck gestaute Insel (bis zu 30 kg schwer) muß in Sekunden, bei JEDEM Wetter (Seegang), an Deck gebracht werden. Wer schafft das rechtzeitig, nach dem Schreck?
Bei einem Brand unter Deck, der nicht mehr zu löschen ist, erübrigt sich diese Frage.

Eine am Heck angebrachte Container-Insel ist sofort einsatzbereit und vom Rudergänger bedienbar!
Zeitgleich kann eine zweite Person z.B. noch schnell einen Notruf senden.
Sollte dieses nicht möglich sein, gehört die Rettungsinsel auf jeden Fall an Deck! z.B. vor das Schiebeluk oder wenigstens in eine gut zugängliche Backskiste,  in die aber nichts anderes gehört!

Befestigen Sie das Ende der Reissfangleine am Schiff!! Eine abtreibende Rettungsinsel wird ihnen nicht helfen können!

Sie bringen nun die Insel zu Wasser: Sie sollte sich, falls kopfüber liegend, selbsttätig aufrichten!

Weitere wichtige Merkmale:
doppelter Isolationsboden gegen Unterkühlung
atmungsaktives Dach, mindestens jedoch  Zwangsbelüftung !!!
Notlicht
dem Fahrtgebiet entsprechende Seenotausrüstung

Vergessen Sie nicht, Ihren jederzeit griffbereiten, persönlichen Notpack mit in die Insel zu nehmen: z.B. Medikamente, Brille, wasserdichtes UKW-Handgerät, EPIRB, Hand-GPS, Proviant, Seenotsignale, Angel, etc. und alles mit Kanistern mit Trinkwasser (halbvoll, dann schwimmt alles noch) zusammenbändseln.
Keiner wünscht Ihnen, daß Sie jemals in eine solche Situation kommen mögen. Aber wenn, dann sollten Sie das beste Material zur Verfügung haben, um Ihr Leben retten zu können.

 

Letztendlich entscheiden Sie selbst, wieviel Ihnen Ihr Leben und das Ihrer Crew wert ist!

 

Es ist passiert, der Kahn säuft uns unterm Hintern weg.
Jetzt greift die Seenotrolle: Die Rettungsinsel-Leute haben das Paket natürlich schon längst klargemacht, haben die Befestigung der Halte-/Reißleine am Schiff überprüft und werfen das Teil ins Wasser.

Und... es passiert nix. Gar nix.
Weil die Rettungsinsel eben nicht automatisch aufgeht, wie das immer noch einige Leute glauben.
Wir müssen erst ordentlich die Halte-/Reißleine herausziehen (meist mehrere Meter!), bevor sich das Inselchen aufbläst.

Einsteigen - aber möglichst trocken!
Jetzt beginnt der Kampf gegen die Unterkühlung: Also direkt in die Insel steigen. Nur im äußersten Notfall ins Wasser hopsen.
An den Notbeutel mit Logbuch, Navi-Ausrüstung (Handfunke, GPS) und Pillen gegen die Seekrankheit denken.

So nicht: Die Halte-/Reißleine muß belegt sein. Eine Sollbruchstelle verhindert, daß die Insel vom sinkenden Schiff in die Tiefe gezogen wird. Außerdem ist immer ein Messer in der Rettungsinsel. (Foto: Preuß)
Auszug aus "Sicherheit in der Sportschiffahrt im See- und Küstenbereich"
(Hrsg.: Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie, BSH):

VERHALTEN IN SEENOT

1) Maßnahmen an Bord

Grundsätzlich gilt:

Ruhe bewahren! Nicht überstürzt oder unüberlegt handeln! So lange wie
möglich an Bord bleiben! Denn ist die Besatzung gezwungen, das Fahrzeug
zu verlassen, drohen ihr Unterkühlung, Ertrinken, Verdursten, Seekrankheit,
Erschöpfung und Schädigung durch Mineralöl.

Nicht rauchen! Eventuell auslaufender Brennstoff kann sich leicht entzüdenden.
Kein Alkohol! Alkohol vermindert Reaktionsfähigkeit, fördert die
Unterkühlungsgefahr, entzieht dem Körper Wasser und erhöht den Durst. Mit den
vorgeschriebenen Notzeichen auf die Notlage und die Notwendigkeit der Hilfe
hinweisen! Steht eine Funkanlage
zur Verfügung und konnte nach Auslösung des Alarms Kontakt mit Seenotkreuzern,
SAR-Luftfahrzeugen oder anderen Schiffen aufgenommen werden,
sollte diesen Fahrzeugen so genau wie möglich übermittelt werden:

- Die Art der benötigten Hilfe

- Zustand des Fahrzeugs und der Besatzung

- Kurs und Geschwindigkeit zu einem evtl. vereinbarten Treffpunkt

- Wetter in dem betreffenden Seegebiet

- Einzelheiten, die das Erkennen des Fahrzeugs erleichtern, insbesondere
welche Mittel hierfür verwendet werden, z. B. Flaggen, Rauchsignale,
Scheinwerfer, Signalspiegel.

Kann das Verlassen des Fahrzeugs nicht mehr länger hinausgeschoben werden,
so ist vor dem Vonbordgehen reichlich wärmende Kleidung anzuziehen,
um der Unterkühlung vorzubeugen. Besonders geschützt werden müssen
Kopf und Nacken, weil hier die wärmeabgebenden Blutgefäße dicht unter
der Haut verlaufen.
Eng anliegende Kleidungsstücke, die zusätzlich an Hän-
den und Füßen zugebunden werden, sind zu bevorzugen und Hände und
Füße möglichst durch Handschuhe und Schuhe zusätzlich zu schützen.

Die Tragfähigkeit der Rettungswesten wird durch zusätzliche Kleidung nicht
beeinträchtigt, vielmehr erhöht die in der Kleidung befindliche Luft den
Auftrieb.
Schuhzeug, das die Tragschläuche oder den Boden von
Rettungsflößen oder Schlauchbooten beschädigen kann, sollte nicht getragen werden.
Nach Möglichkeit sollte vor dem Verlassen des Fahrzeugs noch reichlich
warme gesüßte Flüssigkeit getrunken werden, um eine Flüssigkeitsreserve
zu besitzen.

Wenn es die Zeit gestattet, sollten - soweit erforderlich und möglich -
folgende Gegenstände in das Überlebensfahrzeug (Boot oder Rettungsfloß)
gegeben werden, um die Überlebenschancen zu erhöhen: Decken und/oder
Kälteschutzsäcke und wärmende Kleidungsstücke, Getränke und Lebensmittel.
Zusatzausrüstung wie tragbares Sprechfunkgerät, Seenotsender, Rundfunkempfänger,
Taschenlampe, Taschenmesser, Tauwerk, Fernglas und
Erste-Hilfe-Verbandkasten.

Da treibende Gegenstände aus der Luft gut auszumachen sind, sollten
schwimmende Teile ins Wasser geworfen werden. Rot-weiß-farbige Sachen
sind besonders gut zu erkennen.

 

2) Maßnahmen beim Verlassen des Fahrzeugs

 

 

Ist ein Überlebensfahrzeug vorhanden, sollte versucht werden, mit Hilfe einer Bootsleiter, Badeleiter oder Leinen direkt vom havarierten Fahrzeug überzusteigen, um trocken in das Überlebensfahrzeug zu gelangen. Auf das Schutzdach eines Rettungsfloßes, das bereits teilbemannt ist, sollte nach Möglichkeit nicht gesprungen werden.
Bleibt keine andere Wahl, als ins Wasser zu springen, dann mit angezogenen Knien im Schlußsprung springen und dabei die Rettungsweste mit beiden Händen festhalten! Dabei sollten die Fäuste fest unter dem Kinn liegen, um das Hochschlagen der Rettungsweste zu verhindern.

 

Wer trocken in die Insel kommt, lebt länger. (Foto: Preuß)

 

3) Verhalten im Überlebensfahrzeug

Der Ausgangspunkt aller Suchplanungen ist immer der zuletzt gemeldete Schiffsort. Es wird daher dringend empfohlen, in der Nähe der Untergangsstelle zu bleiben und nur mit der natürlichen Abdrift zu treiben. Die Seenotsignalmittel klar zum Gebrauch halten!

Notsignale dürfen nur auf Anordnung des Bootsführers eingesetzt werden. Mit den Signalen ist sparsam umzugehen und mit dem Einsatz zu warten, bis anzunehmen ist, daß ein gesichtetes Schiff oder Luftfahrzeug die Seenotsignale auch erkennen kann. Das ist bei dem Schiff meist dann der Fall, wenn vom Boot oder Floß die Schiffsaufbauten ganz zu sehen oder nachts die Seitenlichter deutlich auszumachen sind.

Nicht den gesamten Vorrat an Leuchtkugeln auf einmal verschießen, vielmehr in Zweiergruppen mit einer dazwischenliegenden Pause, damit ein Beobachter Sicherheit über das Notsignal erlangt! Sind Notsignale bereits abgegeben worden, obwohl die Notlage nicht mehr besteht, sollte das in jedem Fall so schnell wie möglich bekanntgegeben werden.

Wichtige Arbeiten sind sofort durchzuführen, da Gleichgültigkeit, hervorgerufen durch Seekrankheit, deren spätere Durchführung beeinflussen kann. Seewasser darf nicht getrunken werden. Noch gefährlicher ist es, Urin zu trinken. Vorhandene Trink- und Nahrungsmittelvorräte sind zu rationieren. Jede Möglichkeit zum Auffangen von Regenwasser ist zur Vergrößerung des Wasservorrates wahrzunehmen.

 
Körperliche Anstrengungen sollten auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Falls Mittel gegen Seekrankheit vorhanden sind, sollen diese sofort nach dem Besteigen des Überlebensfahrzeuges vorbeugend genommen werden. Auch sonst seefeste Personen müssen im Überlebensfahrzeug mit Seekrankheit rechnen, die sich sehr ungünstig auf den Gesundheitszustand auswirken kann.

Durchnäßte Kleidung soll im Überlebensfahrzeug - wenn es die Umstände gestatten - sofort ausgezogen und getrocknet, zumindest aber ausgewrungen und wieder angezogen werden, da durchnäßte Kleidung die Unterkühlung beschleunigt. Bei kühler Witterung ist der Körper nach Möglichkeit vor Wind zu schützen. Wenn vorhanden, sollten Decken, Kälteschutzsäcke oder -folien verwendet werden.

 

 

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Stand: 08. September 2003